Weißandt-Gölzau

Zur Entstehungsgeschichte

Die baulichen Überreste des Schlosses von Großweißandt befinden sich auf einem künstlich angelegten Hügel (1). Er gehört wie der ihn umgebende Graben (2) zu einer älteren Burganlage, deren Ursprung wahrscheinlich im 13. Jahrhundert liegt.
Wegen der Hügel, die häufig mit turmartigen Wehranlagen versehen waren, werden derartige Anlagen als Turmhügelburgen, oder auch Motten, bezeichnet. Von der Bebauung, die möglicher Weise aus Holz bestand, haben sich keine obertägig sichtbaren Reste erhalten. Zusätzlich zum Burggraben erfolgte die Sicherung durch Holzpalisaden, die den Burghügel umschlossen. Der Zugang über eine hölzerne Brücke konnte im Angriffsfall - zur besseren Verteidigung der Burg - zerstört werden.
Zur Burganlage gehörte ein Wirtschaftsbereich, auch Vorburg genannt, in dem sich die für die Versorgung notwendigen Gebäude und Einrichtungen, wie Ställe und Speicher, befanden.

 

Archäologischer Höhen- und Lageplan, Stand: Januar 2004 Gemessen und Planerstellung. O. Schröder / Th. Koiki
Archäologischer Höhen- und Lageplan, Stand: Januar 2004 Gemessen und Planerstellung. O. Schröder / Th. Koiki


Es ist sehr wahrscheinlich, dass das gleichnamige Dorf in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts im Besitz der Familie war.
Im Jahre 1344 besaßen die Brüder Otto der Ältere und Otto der Jüngere von Pouch das Dorf als anhaltisches Lehen und haben es zusammen mit Radegast an die von Verdersdorf weiter verliehen.
Über den allmählichen Ausbau der Burg zum Schloss ist bisher wenig bekannt.
Die Neu- und Umbauten am Wohngebäude (5) und am Turm (6) im 17. Jahrhundert waren wahrscheinlich durch Zerstörungen und Verfall im Zuge des Dreißigjährigen Krieges notwendig geworden.
Die westlich des Vorburggeländes stehende Kirche weist in ihren Ursprüngen ein ähnliches Alter wie die Burganlage auf. Urkundliche Erwähnungen 1351, 1355 und 1373 betreffen das Dorf, die Kirche St. Germanus und deren Zugehörigkeit zum Zerbster Stift St. Bartholomäus.

Nachbau einer Turmhügelburg (Motte) in Kanzach, Baden-Württemberg
Nachbau einer Turmhügelburg (Motte) in Kanzach, Baden-Württemberg

Bebauung

Die bis in die siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts erhaltene Bebauung bestand aus einem zweigeschossigen Wohnhaus mit Mansardendach und einem nordwestlich davon stehenden achteckigen Turm mit barocker Haube. Noch vorhanden ist die mit 2 Rundbögen versehene steinerne Brücke (7), die den Burghügel mit dem Wirtschaftsbereich verbindet.
Südlich des Turms, südwestlich des Wohnhauses befinden sich die Überreste eines weiteren Gebäudes (8). Im Gegensatz zu den anderen, deren Grundmauern aus Quarzporphyr errichtet wurden, besteht dieses zu großen Teilen aus rotem Sandstein. Die noch vorhandenen Keller sind möglicher Weise teilweise gotischen Ursprungs.

Zeitgenössische Darstellung des Schlosses aus dem 19. Jahrhundert
Zeitgenössische Darstellung des Schlosses aus dem 19. Jahrhundert

Jüngere Geschichte

Eine aus den dreißiger Jahren stammende Luftbildaufnahme zeigt neben dem Schloss mit Graben und der Kirche das Gut mit verschiedenen Wirtschaftsgebäuden, darunter den vom Architekten Bandhauer errichteten Schafstall, bekannt als Bandhauerscheune, sowie das vom ihm umgebaute Gutshaus.
Von 1952 bis 1998 wurde das Areal des ehemaligen Gutes durch eine LPG genutzt.
Mit dem Abriss des Dachstuhles Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts begann der endgültige Verfall des Schlosses.
Obwohl das Areal bereits unter Denkmalschutz stand wurden bis 1999 Bauschutt und Müll abgelagert und von der Schlossruine stammendes Baumaterial entnommen.
Im Jahre 1999 erfolgter der Abriss aller Wirtschaftsgebäude des vormaligen Gutes. Im Zuge dieser Maßnahme wurde auch die denkmalgeschützte Bandhauerscheune abgerissen.

Schloss mit Graben, Gut und Kirche, auf einem Luftbild, aufgenommen wahrscheinlich in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts
Schloss mit Graben, Gut und Kirche, auf einem Luftbild, aufgenommen wahrscheinlich in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts

Im Oktober 2005 wurde mit einer Forschungsgrabung auf dem Burghügel begonnen.

© Anhaltischer Förderverein für Naturkunde und Geschichte e. V.