| Weißandt-Gölzau |
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Zur Entstehungsgeschichte |
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Die baulichen Überreste des Schlosses von Großweißandt
befinden sich auf einem künstlich angelegten Hügel (1). Er
gehört wie der ihn umgebende Graben (2) zu einer älteren Burganlage,
deren Ursprung wahrscheinlich im 13. Jahrhundert liegt.
Wegen der Hügel, die häufig mit turmartigen Wehranlagen versehen
waren, werden derartige Anlagen als Turmhügelburgen, oder auch
Motten, bezeichnet. Von der Bebauung, die möglicher Weise aus Holz
bestand, haben sich keine obertägig sichtbaren Reste erhalten.
Zusätzlich zum Burggraben erfolgte die Sicherung durch Holzpalisaden,
die den Burghügel umschlossen. Der Zugang über eine hölzerne
Brücke konnte im Angriffsfall - zur besseren Verteidigung der Burg
- zerstört werden.
Zur Burganlage gehörte ein Wirtschaftsbereich, auch Vorburg genannt,
in dem sich die für die Versorgung notwendigen Gebäude und
Einrichtungen, wie Ställe und Speicher, befanden.
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Archäologischer Höhen- und Lageplan, Stand: Januar
2004
Gemessen und Planerstellung. O. Schröder / Th. Koiki
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Bei der Vermessung des Geländes durch das Landesamt
für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen – Anhalt konnte
südlich des Burggrabens ein vorgelagerter Wall (3) erkannt werden.
Eine weitere wallartige Aufschüttung (4) verläuft zwischen
dem Burggraben und dem Nesselbach. Sie bildet möglicher Weise die
Fortsetzung des zuerst genannten Walles und entspricht in ihrer nördlichen
Ausdehnung dem Vorburg- oder Wirtschaftsbereich. Außer der Sicherung
strategisch wichtiger Punkte, dem Schutz von Siedlungen und als Verwaltungssitz,
dienten Turmhügelburgen auch als Wohnsitz adliger Familien oder
als Warten.
Bei dem etwa 35 m messenden Burghügel und dem abschnittweise über
20 m breiten Graben handelt es sich in Großweißandt um eine
große Motte, die mit dem gut erhaltenden Burghügel in Gnetsch
vergleichbar ist. Die älteste bisher bekannte Erwähnung geht
auf das Jahr 1259 zurück und nennt einen „Burchardus de Wizzand“
als Zeugen in einer Urkunde des anhaltischen Grafen Siegfried des I.
Offensichtlich gehörte das Rittergeschlecht von Weißandt
zur Gefolgschaft der anhaltischen Fürsten.
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Nachbau einer Turmhügelburg (Motte) in Kanzach,
Baden-Württemberg |
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Es ist sehr wahrscheinlich, dass das gleichnamige Dorf in der Mitte
des dreizehnten Jahrhunderts im Besitz der Familie war.
Im Jahre 1344 besaßen die Brüder Otto der Ältere und
Otto der Jüngere von Pouch das Dorf als anhaltisches Lehen und
haben es zusammen mit Radegast an die von Verdersdorf weiter verliehen.
Über den allmählichen Ausbau der Burg zum Schloss ist bisher
wenig bekannt.
Die Neu- und Umbauten am Wohngebäude (5) und am Turm (6) im 17.
Jahrhundert waren wahrscheinlich durch Zerstörungen und Verfall
im Zuge des Dreißigjährigen Krieges notwendig geworden.
Die westlich des Vorburggeländes stehende Kirche weist in ihren
Ursprüngen ein ähnliches Alter wie die Burganlage auf. Urkundliche
Erwähnungen 1351, 1355 und 1373 betreffen das Dorf, die Kirche
St. Germanus und deren Zugehörigkeit zum Zerbster Stift St. Bartholomäus.
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Bebauung |
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Die bis in die siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts erhaltene Bebauung
bestand aus einem zweigeschossigen Wohnhaus mit Mansardendach und einem nordwestlich
davon stehenden achteckigen Turm mit barocker Haube. Noch vorhanden ist
die mit 2 Rundbögen versehene steinerne Brücke (7), die den Burghügel
mit dem Wirtschaftsbereich verbindet.
Südlich des Turms, südwestlich des Wohnhauses befinden sich die
Überreste eines weiteren Gebäudes (8). Im Gegensatz zu den anderen,
deren Grundmauern aus Quarzporphyr errichtet wurden, besteht dieses zu großen
Teilen aus rotem Sandstein. Die noch vorhandenen Keller sind möglicher
Weise teilweise gotischen Ursprungs.
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Zeitgenössische Darstellung des Schlosses
aus dem 19. Jahrhundert |
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Jüngere Geschichte |
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Eine aus den dreißiger Jahren stammende Luftbildaufnahme zeigt
neben dem Schloss mit Graben und der Kirche das Gut mit verschiedenen
Wirtschaftsgebäuden, darunter den vom Architekten Bandhauer errichteten
Schafstall, bekannt als Bandhauerscheune, sowie das vom ihm umgebaute
Gutshaus.
Von 1952 bis 1998 wurde das Areal des ehemaligen Gutes durch eine LPG
genutzt.
Mit dem Abriss des Dachstuhles Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts
begann der endgültige Verfall des Schlosses.
Obwohl das Areal bereits unter Denkmalschutz stand wurden bis 1999 Bauschutt
und Müll abgelagert und von der Schlossruine stammendes Baumaterial
entnommen.
Im Jahre 1999 erfolgter der Abriss aller Wirtschaftsgebäude des
vormaligen Gutes. Im Zuge dieser Maßnahme wurde auch die denkmalgeschützte
Bandhauerscheune abgerissen.
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Schloss mit Graben, Gut und Kirche, auf einem
Luftbild, aufgenommen wahrscheinlich in den dreißiger Jahren des
vorigen Jahrhunderts |
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Chörau |
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| Satzung |
Impressum |
© Anhaltischer Förderverein für Naturkunde und Geschichte e. V. |
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