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Experimentell
 
Fell und Leder
 
Im Zuge des Alt- und Mittelsteinzeitprojektes sollten auch Häute von verschiedenen Wildtieren zu Fellen, Rohhäuten und Leder verarbeitet werden. Unter der Vielzahl möglicher Arten der Gerbung wurde ausschließlich auf die Hirngerbung, auch Sämischgerbung genannt, zurückgegriffen. Sie gilt als eine der ältesten, dem Menschen bekannte Methode, Tierhäute weich und haltbar zu machen.
Insgesamt standen Rohdecken von verschiedenen Tieren zur Verfügung, so vom Wildrind (Auerochsen), vom Reh und vom Kamerunschaf. Die Decken wurden uns dankenswerter Weise von Züchtern und Jägern der Region überlassen und bis zur Bearbeitung eingefroren.
Aus Gründen der Geruchsbelastung sollte die Verarbeitung in der kalten Jahreszeit erfolgen. Die Bearbeiter verfügten vor Beginn kaum über praktische Fähigkeiten, die theoretischen Grundlagen entstammen der einschlägigen Literatur.

aufgespannte Haut
Zum Trocknen aufgespannte Haut
 
Das Entfleischen
  das Entfleischen einer Haut
Das Entfleischen einer Haut mit einer
Feuersteinklinge auf dem Gerberbaum

Diese Arbeit steht – egal welches Ergebnis erzielt werden soll – immer an erster Stelle. Je nach Tierart und wie gut das Abhäuten gelang, befinden sich Fleisch- und Fettreste auf der Haut, die entfernt werden müssen. Wichtig ist neben einer geeigneten Unterlage „scharfes Werkzeug“. Der noch heute von Freizeitgerbern verwendete Gerberbaum, ein entrindeter Baumstamm ohne Unebenheiten, stand nicht im Widerspruch einer möglichst authentischen Arbeitsweise und wurde daher übernommen. Anders beim Werkzeug. Hier dienten zum Entfleischen scharfe Feuersteinklingen und Abschläge. Die abzutrennenden Gewebereste wurden zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten, so dass beim Führen der Klinge oder des Abschlages auf der Haut das straff gespannte Gewebe leicht abgetrennt werden konnte. Es wurde zunächst mit den kleineren Häuten der Kamerunschafe begonnen.
 
Das Entfleischen der ersten Haut nahm nahezu 3 Arbeitstage in Anspruch. Mit zunehmender Übung ging die Arbeit deutlich schneller von der Hand. Bei entsprechender Routine ist auch mit „Flintwerkzeug“ das Entfleischen einer Haut von der Größe eines Rehs in wenigen Stunden möglich. Aus Gründen der Zumutbarkeit wurde darauf verzichtet, die Auerochsenhäute ebenfalls mit Klingen und Abschlägen zu bearbeiten. Zur Anwendung kam hier vollkommen „unsteinzeitliches Werkzeug“ in Form eines beidhändig zu führenden Ziehmessers, das aus der Holzbebearbeitung stammt und hier unter der Bezeichnung „Ochsenkopf“ bekannt ist. Interessant ist, dass an schwierig zu bearbeitenden Stellen vollkommen freiwillig auf Feuersteinklingen zurückgegriffen wurde. Die entfleischten Häute, die nicht sofort weiterverarbeitet werden konnten, wurden zum Trocknen auf Rahmen gespannt

Fell
Haut eines Kamerunschafes nach dem
Entfleischen

 

Rohhaut, Fell oder Leder?

 

Die Begriffe Fell und Leder bedürfen sicher keiner Erklärung. Bei der Rohhaut handelt es sich eigentlich um eine „Zwischenstufe“ bei der Lederherstellung. Sie ist erreicht, wenn die Haut entfleischt und die Fellhaare entfernt sind. Die Haut wird bei der Trocknung buchstäblich bretthart und erhält ein, je nach Dicke, transparentes Aussehen. Wenn die Behaarung nicht entfernt wird, erscheint die Haut deshalb in der jeweiligen Farbe des Felles. Als Bekleidung oder als Decke sind Rohhäute denkbar ungeeignet. Allerdings finden sie zum Beispiel als Bespannungen von Trommeln Verwendung, oder bilden in Streifen geschnitten sehr haltbare Wicklungen an Werkzeugen oder Jagdwaffen.
Bei den Häuten, die zu Rohhaut oder Leder verarbeitet werden sollten, mussten zunächst die Fellhaare entfernt werden. Hierzu wurde ein Brei aus Wasser und Holzasche angesetzt, in den die Häute bis zu 10 Tage eingelegt wurden. Dieser Vorgang heißt äschern. Hierbei wird die dichte Hautstruktur aufgeschlossen, wodurch sich die festsitzenden Fellhaare leicht lösen. Außerdem erleichtert das Äschern das spätere einarbeiten der Gerbsubstanzen, in unserem Fall des Fettes. Nach dem Äschern ließen sich die Haare mit einem Feuersteinabschlag oder einem Knochenschaber gut von der Haut abschieben. Vor der Weiterverarbeitung mussten die Häute gut gewaschen und gespült werden. Auch bei den späteren Fellen erfolgte ein Hautaufschluss mittels Äschern, allerdings nur auf der „Fleischseite“ der Haut und für kurze Zeit, da ansonsten die Haare ausfallen.

Aufbringen des Holzaschebreis
Aufbringen des Holzaschebreis
 

 

 

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